Gönnen können

Kannst du deinen Mitmenschen etwas gönnen? Bist du eifersüchtig oder gar neidisch?

Es ist kein Zufall, dass Neid in der katholischen Kirche als Todsünde gilt. Die Typen sind zwar etwas balla-balla, haben aber trotzdem ziemlich viele universelle Wahrheiten über die Jahrhunderte gerettet. Die Todsünden gehören meiner Meinung nach dazu.

Natürlich will ich dir auf keinen Fall Angst vor der Hölle machen – die Hölle ist ja in dir, wie der Himmel auch. Und dank einer gewissen Person (Jesus Christus) können wir aus der Hölle wieder raus (selbst als Tote, lasst euch nichts anderes einreden! Der Typ hat auf allen Ebenen im ganzen Universum gewirkt und die Kirche will nur Angst machen!).

Hölle ist ein Geistes- bzw. ein Seelenzustand. Dein Geist ist ja immer frei, aber er ist sozusagen an der Seele „befestigt“ und wird, weil er leichter ist, von ihr mitgezogen. Daher würde ich die Hölle eher als Seelenzustand beschreiben.

Aber zurück zum Neid: man kennt die Ausdrücke „von Neid zerfressen“ und „gelb vor Neid“. Neid wird mit der Leber assoziiert und wenn du gelb wirst, solltest du zum Arzt gehen. Neid zerfrisst dich, indem du einfach nicht mehr glücklich sein und dich nicht mehr freuen kannst. Dein Fokus rückt von dir weg und auf jemand anderen.

Das Glück anderer Leute kotzt dich an. Was für ein Scheißleben, was für eine Hölle!

Eifersucht vs. Neid

Eifersucht hat eher etwas mit dir selbst und deinem Selbstwert zu tun. Dass du dich unwürdig und nicht gut genug fühlst, weil du dich mit anderen vergleichst. Deshalb kann Eifersucht dich auch antreiben und dich dazu bewegen, dein Leben zu überdenken und „besser“ zu werden. Die Eifersucht kann dir zeigen, wo dir etwas fehlt, und daran kannst du dann arbeiten.

Eifersucht ist meistens intellektuell gefärbt und dein Verstand rechnet dir vor, wie scheiße du bist, weil die andere Person besser ist. Trotzdem bewegt sich etwas in dir, deine Emotionen fließen. Du kannst von Eifersucht sogar inspiriert werden und du kannst sie relativ leicht überwinden, wenn du ehrlich mit dir selbst bist.

Neid jedoch macht dich handlungsunfähig.

Da stagniert die Emotion irgendwann ganz. Du willst nicht genauso gut oder besser sein, als die andere Person, sondern du fängst an, sie zu hassen dafür, dass sie (aus deiner Sicht) besser ist oder mehr hat als du. Du fängst an, ihr etwas Schlechtes zu wünschen.

So geht es los mit der Todsünde, denn du kreierst Karma. Das auf dich zurückfällt, denn alles, was du aussendest kommt zu dir zurück.

Und wenn du vorher stirbst, kriegst du es in der „Hölle“, die du dir zu Lebzeiten als Aufenthaltsort für deine Seele nach dem Tod erschaffen hast, wieder ab. Deshalb haben sie gesagt, Neid sei eine Todsünde, da ist was dran.

Wie kannst du mit Neid umgehen?

Frage dich, woher dein Neid kommt, auf was genau du neidisch bist. Der wichtigste Schritt ist das Eingestehen des Neids. Wenn du von dir behauptest „Ich? Ich bin doch nicht neidisch!“ dann hast du schlechte Karten, jemals von diesem Trip runterzukommen. Also gib es einfach zu: „Ich bin neidisch auf…“

Wenn dir klar ist, worauf du genau bei der anderen Person neidisch bist, dann schaue, ob es etwas ist, das du auch erreichen kannst oder nicht. Wenn ja, was spricht dagegen, die Person einfach zu fragen, wie sie es geschafft hat? Musste sie Opfer dafür bringen? Würdest du das auch tun, um genau das zu erreichen, was die andere Person hat?

Wenn es etwas diffuses, ungreifbares ist wie ein Gott gegebenes Talent, ist es natürlich schwierig. Deshalb musst du dich unbedingt mit deinem Selbstwert auseinandersetzen und schauen, was DU kannst und nicht die andere Person.

Mache eine Liste mit deinen Talenten und positiven Eigenschaften, Frage deine Lieben, was sie an dir mögen und schätzen. Was kannst du besonders gut?

Dein Wert als Mensch ist nicht abhängig von Äußerlichkeiten. Wenn du neidisch bist, bist du mit deinem Leben und mit dir selbst unzufrieden. Letztendlich ist es ein Hadern mit Gott persönlich (wer sonst ist deine Schnittstelle zu Gott, wenn nicht du selbst? Es gibt keine andere!), denn wenn du mit dir haderst… Die Schlange beißt sich in den Schwanz. Du landest immer nur bei dir selbst.

Abwertung eines anderen wertet dich selbst nicht auf, sondern ab.

Du wertest als neidischer Mensch andere ab, weil du dich selbst aufwerten willst, aber das funktioniert nicht. Es macht alles nur noch schlimmer, denn deine Seele weiß, dass es falsch ist. Sie weiß, dass alle Menschen den gleichen unermesslichen Wert haben. Je mehr du sie abwertest, desto mehr schadest du dir letztendlich selbst.

Gönn‘ dir!

Die einfachste Möglichkeit zu lernen, anderen etwas zu gönnen, ist bei sich selbst anzufangen. Gönne dir etwas! Etwas, das du als unnötigen Luxus betrachtest, etwas worauf du bei anderen neidisch bist.

Es muss nichts mit Konsum zu tun haben (neues Auto etc.). Es kann auch eine Verhaltensweise sein, wie ein „Nein“ wo du eigentlich sonst immer Ja gesagt hast. Du bist vielleicht neidisch auf Leute, die einfach ihr Ding durchziehen und sich nicht so sehr ausnutzen lassen wie du. Du weißt es innerlich immer, wenn du etwas tust, was du wirklich willst im Gegensatz zu etwas, was du nur tust, damit du vor anderen besser dastehst.

Lass es einfach mal – tu einfach mal, was DIR gut tut!

Je mehr du auf dich selbst achtest und nach deiner eigenen Intuition, nach deinen eigenen Bedürfnissen lebst, desto weniger achtest du automatisch auf andere (du bist ja mit dir beschäftigt).

Und desto weniger Neid empfindest du.

Falls du eine neidische Person bist, wünsche ich dir, dass du es schaffst, wieder mehr auf dich selbst zu achten und dich wieder am Leben freuen zu können, denn das Leben ist schön!