Wie radikale Selbstakzeptanz meine Ehe gerettet hat

Bis vor Kurzem hatte ich ein falsches Bild von der Ehe. Als es mir dämmerte, habe ich mich erstmal total aufgeregt – schließlich bin ich verheiratet. Doch dann habe ich mir die Widersprüche genau angesehen und dank radikaler Selbstakzeptanz hat sich das Problem in Luft aufgelöst – es war nämlich gar nicht wirklich meins!

Warum ist es eigentlich so schwer, sich selbst und seine Gefühle radikal zu akzeptieren? Ein Grund ist sicher, dass wir schon ganz früh auf diese Weise programmiert werden.  Je nach Familiensituation, Kindergarten und Schule ist es bei manchen Menschen mehr oder weniger ausgeprägt, aber programmiert sind wir alle. Als Erwachsene denken wir dann Dinge wie

„Wenn ich das jetzt sage, stehe ich in einem schlechten Licht da.“
„Wenn ich das jetzt mache, laden sie mich nie wieder ein.“
„Wenn ich jetzt sage, was ich davon halte, bin ich den Job los.“
„Wenn ich hier jetzt nicht mitmache, halten sie mich für blöd.“
„Wenn ich ihm das sage, verlässt er mich.“

Und die Liste geht endlos weiter. Der Knackpunkt ist, dass uns diese Strategie irgendwann wirklich geholfen hat. Wir mussten uns als Kinder einfach unterordnen, es ging nicht anders. Unsere primären Bezugspersonen haben uns aktiv oder passiv gezwungen, uns anzupassen. Es ging ums Überleben.

Alle Masken und inneren Bilder haben irgendwo einen wahren Kern.

Die Angst vor dem Verlassenwerden ist absolut berechtigt – es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein Kleinkind stirbt, wenn es keinen menschlichen Kontakt hat. Da gibt es ein ganz perveres Experiment, das kann man googeln. Zudem sagt uns auch die Biologie und Bindungsforschung eindeutig, dass mangelnder Körperkontakt im Babyalter später psychische Störungen und Bindungsprobleme hervorruft.

Es steckt also was Wahres dahinter, wenn ein Baby oder Kleinkind Todesangst hat, wenn es sich verlassen fühlt. Zumal man ja noch keinerlei Zeitgefühl hat und nicht kapiert, dass die Mama bald wieder zurück ins Zimmer kommt. Eine Minute sind wie tausend Jahre für ein Baby, es ist kognitiv überhaupt nicht in der Lage, das Konzept der Zeit, wie wir es als Erwachsene haben, zu verstehen. Außerdem interpretiert das kindliche Gehirn viele Dinge ganz ganz anders, als wir es im Erwachsenenalter tun. Dinge, die für uns objektiv betrachtet „nicht so schlimm“ sind, sind eben doch schlimm für ein kleines Kind.

Leider festigen sich die Strategien und sorgen im späteren Leben für Zwiespalt.

Und was machen die meisten Menschen? Anstatt sich damit zu befassen, verdrängen sie es.

„Ich bin frei!“
„Ich brauche niemanden!“
„Ich bin unabhängig!“

Menschen sind aber in Wirklichkeit, wie die Pilze und die Bäume und der ganze Wald, Symbionten.

Wenn ihr das Wort „Symbiose“ im Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen falsch findet oder wenn ihr einen inneren Widerstand spürt, wenn ihr das lest, dann fühlt mal genau rein.

Warum lehnt ihr dieses biologische Konzept so sehr ab? Was ist es, das euch Angst macht, wenn jemand sagt, dass ein Mensch für sich allein nicht überleben kann, nicht überleben soll? Dass man immer jemanden braucht, um sich ganz und heil zu fühlen, weil es in der menschlichen Biologie so vorgesehen ist?

Warum wehrt man sich gegen seine eigene biologische Veranlagung? Bindungen sind essentiell und das ist wissenschaftlich erwiesen.

Achtung, hier geht es nicht wirklich um romantisch-sexuelle Partnerbeziehungen, sondern generell um Beziehungen zu anderen Menschen. Googelt das einfach mal selbst, ich bin nicht da, um für euch zu recherchieren 😉

Ich wollte immer so sein – ganz für mich allein.

Ich wollte niemanden komplett in mich rein lassen, aus Angst, dass ich dann entweder selbst keinen Platz mehr habe und mich eingeengt fühle, oder dass derjenige mich dann doch wieder verlässt und im Zuge dessen irgendwas von mir mitnimmt, das mir dann fehlt.

Selbst als ich schon verheiratet war, hatte ich diese Züge noch. Erst nach knapp 11 Jahren Beziehung habe ich das geschnallt. Es handelt sich also um eine relativ neue Erkenntnis, die ich hier heute mit euch teile.

Wir 2007

Als mir diese Erkenntnis dämmerte, wollte ich zuerst die altbekannte Strategie anwenden: weg damit! Verdrängen!

„Ich darf so nicht sein!“

Theortisch wusste ich ja, sich ganz einlassen, Bindungshormone, alles ganz normal – aber irgendwo in mir drin war trotzdem ein Teil, der sich geweigert hat, der das ganze patriarchalische Konzept der Ehe als „Besitz von Frauen“ gesehen hat und eigentlich voll dagegen war.

Und genau diesen Teil habe ich ganz tief verdrängt, weil ich ihn nicht wahrhaben wollte. Ich hab ja schließlich geheiratet. Also war der „gegen die Ehe sein“-Teil mein Schatten (und den sieht man ja nicht, denn wenn man in die Sonne schaut, fällt der Schatten hinter einen…).

Ich wollte ja immer als authentisch rüberkommen („scheinen“) und das hat einfach nicht gepasst.

Aber dann habe ich es einfach akzeptiert und es auch meinem Ehemann gesagt: dass ich das alte Paradigma scheiße finde und mich noch nie damit identifizieren konnte. Eine Frau „gehört“ ihrem Mann nicht (und umgekehrt) auch wenn man noch so viele Urkunden unterschreibt und noch so viele Zeremonien feiert.

Wenn man sich bindet, dann freiwillig und weil „der Mensch nunmal so ist“ und nicht aus romantischen Vorstellungen oder materiellen und heiratspolitischen Gründen.

Ich musste also erstmal akzeptieren, dass ich etwas gemacht hatte, wo ich grundsätzlich dagegen gewesen bin (obwohl ich es ja doch wollte – paradox). Also haben wir ein kleines Ritual gemacht und unsere Eheringe ausgezogen. Sind beide wirklich tief in uns gegangen und haben auch mit ThetaHealing daran gearbeitet. Vielleicht schreibe ich das irgendwann noch auf, aber ich glaube es sprengt jetzt den Rahmen des Artikels, wenn ich darauf auch noch genauer eingehe.

Ritual für die Bundesrepublik im Standesamt. Ehe für alle!

Im Endeffekt ist ein Ring auch nur ein Schmuckstück.

Wir haben unser Konzept von der Ehe auf eine neue Stufe gehoben, indem wir uns erlaubt haben, unsere tiefsten inneren Gefühle laut auszusprechen.

Dann merkt man meistens, dass vieles nur heiße Luft ist. Man erkennt, dass viele Gedankenkonstrukte noch aus der Kindheit, der Zeit in der Familie, stammen.

Das mit der Ehe und Frauen als Besitz ist ein ganz altes, karmisches und gesellschaftliches Thema, das sich da seinen Weg nach außen gebahnt hat und das ich auflösen durfte. Eigentlich hat es nichts mit mir zu tun.

Viel Lärm um nichts!

Er hat nämlich selbst auch nicht wirklich so gedacht – dass Männer Frauen besitzen usw.! Es ist einfach ein kollektives Thema, das bearbeitet werden wollte und das ganz tief in uns reinprogrammiert wurde, das wir noch in der DNA hatten von unseren Vorfahren.

Und das ist eben bei den meisten verdrängten Themen so, die man nicht anschauen will. Man denkt, es ist etwas ganz großes, schweres, was das Leben aus der Bahn werfen wird. Aber meistens ist es eben nur ein Missverständnis von Umständen, die in Wirklichkeit gar nichts mit einem selbst zu tun haben, weil sie längst obsolet sind.

Die einzige Chance, über solche Krisen und Gedankenspiralen hinwegzukommen, ist radikal zu akzeptieren, was man in einer Situation denkt und vor allem fühlt. Sich selbst genauso anzunehmen, wie man ist. Sich seine eigenen Eigenschaften zu eigen machen.

Sich keine Gefühle verbieten und darüber zu reden, auch wenn es ein Risiko beinhaltet (hier: mein Mann könnte extrem verletzt sein, wenn ich meinen Ring abnehme und mit ihm übers Patriarchat und die Frauenunterdrückung der letzten Jahrtausende rede… Er könnte mich verlassen!).

Die Quintessenz war letztlich, dass wir beide anders über die Ehe denken, als wir gedacht hatten. Und somit war das Thema erledigt, der Ring wird jetzt angezogen, wie wir lustig sind und we lived happily ever after 😉

Es ist kontraproduktiv für die eigene Entwicklung, eine unsichtbare Mauer aufzubauen und andere Menschen nicht rein zu lassen. Der unvermeidliche Aufprall der Menschen auf diese Mauer tut nämlich weh – also passiert genau das Gegenteil von dem, was man damit erreichen wollte. Besser ist es, diese Mauer durch radikale Selbstakzeptanz und Ehrlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen abzubauen, auch wenn es anfangs schwierig erscheint und anstrengend ist, Vertrauen aufzubauen. Aber es lohnt sich!

Denn nur mit radikaler Selbstakzeptanz gibt es die Chance, sich zu bewegen und im Zusammenleben mit anderen Menschen weiterzukommen. Egal ob Ehe oder nicht.

Ich wünsche dir, dass du dich komplett selbst akzeptieren kannst, wie du bist, egal ob deine innere Einstellung dem aktuellen Paradigma entspricht oder nicht! Sei du selbst, du kannst sowieso niemand anders sein.

 

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