Mein Körper gehört mir – aber nicht wirklich

„Mein Körper gehört mir“ – diesen Spruch kennt man im Zusammenhang mit weiblichen Geschlechtsorganen. Aber gehört mein ganzer Körper wirklich mir?

Ich darf Sex haben mit wem ich will, ich darf mich fesseln und auspeitschen und strangulieren lassen, ich darf mich piercen und tätowieren und mir bei Krebsverdacht die Brust amputieren, ich darf mich geschlechtsumwandeln lassen und meine Ohrlöcher dehnen oder mein Arschloch bleichen.

Trotzdem darf ich mit meinem Körper nicht alles machen, was ich will.

Ich darf mir nicht alles unter die Zunge legen, was ich will.
Ich darf nicht kauen, schlucken und verdauen, was ich will.
Ich darf nicht mal ein-und ausatmen, was ich will.

Das verbietet mir das (menschengemachte) Gesetz.

Ich darf Nein sagen, wenn ich etwas, das jemand mit meinem Körper tun will, nicht will.

Ich darf aber zu vielen Dingen nicht Ja sagen, auch wenn es etwas ist, das ich selbst mit meinem Körper tun will. Selbst, wenn es nur mich alleine und keine weiteren Menschen betrifft.

Grafik: flickr/tao lin (CC BY 2.0)

Mein Körper gehört also nicht mir.

Denn wenn mein Körper ganz mir gehören würde, gäbe es nichts verbotenes.

Egal was.

Es gibt Dinge, die verändern Denk- und Verhaltensweisen langfristig, auch Wochen oder Monate nachdem ich sie in meinen Körper hineingelassen habe. Dinge, die mir wirklich helfen können und die nicht mal süchtig machen.
Ausgerechnet diese Dinge darf ich aber nicht in meinen Körper hineinlassen.

Grafik: flickr/tao lin (CC BY 2.0)

 

Psychedelics are illegal not because a loving government is concerned that you may jump out of a third story window. Psychedelics are illegal because they dissolve opinion structures and culturally laid down models of behaviour and information processing. They open you up to the possibility that everything you know is wrong.

Psychedelika sind illegal, nicht weil eine liebevolle Regierung besorgt ist, dass du aus dem dritten Stock springst. Psychedelika sind illegal, weil sie Meinungsstrukturen und kulturell festgelegte Verhaltensmodelle und Informationsverarbeitung auflösen. Sie eröffnen dir die Möglichkeit, dass alles was du weißt, falsch ist.

― Terence McKenna

 

Mein Bauch gehört mir, aber mein Gehirn nicht

Mir gehört nicht mal mein ganzer Bauch! Meine Gebärmutter gehört mir, eventuell meine Eierstöcke, meine Vagina natürlich auch. Aber meine Lunge und mein Magen nicht.

Mein Gehirn gehört mir offensichtlich erst recht nicht.

Ich darf keine Psychedelika nehmen. Auch nicht unter therapeutischer Aufsicht. Selbst wenn mich das von einer Sucht heilen könnte oder mir helfen würde, Kindheitstraumata aufzulösen.

Ich darf einen Menschen töten. Aber nur,wenn er meine eigene DNA hat und sich noch in mir drin befindet.

Versteht mich nicht falsch – ich urteile nicht über Frauen, die sich für eine Abtreibung entschieden haben!

Gott verurteilt euch übrigens auch nicht, lasst euch da bloß nicht von Pseudo-Christen fertig machen!

Es ist eine Sache zwischen euch selbst und Gott, vergesst das niemals. Es könnte auch Karma gewesen sein. Wir wissen GAR nichts und deshalb können wir auch nicht urteilen.

Also alles cool!

Ich finde es aber ehrlich gesagt ziemlich unfair, dass ich unter gewissen Umständen mein eigenes Kind töten, aber beispielsweise manche Arten von Pilzen nicht essen darf. Egal unter welchen Umständen.

Ersteres betrifft mich, das Kind, den Vater, durchschnittlich vier Großeltern und eventuelle Geschwister.

Letzteres betrifft nur mich. Wieso habe ich nicht das Recht, alles mit meinem Körper zu tun, was ich will?!

Mein Körper wurde mir von Gott gegeben und alle Rezeptoren und Hormone und Stoffe, die möglich sind – sind möglich, und deshalb dürfen sie auch genutzt werden.

Grafik: flickr/tao lin (CC BY 2.0)

Es ist wie früher in der Sexualerziehung, wo man den Leuten gesagt hat, dass ein Orgasmus ihnen schadet. Völliger Bullshit. Heute lachen wir darüber, aber damals was das todernst.

Ein Orgasmus schadet dir nicht.
Das DMT in deinem Gehirn schadet dir auch nicht.

Wenn du bei irgend einem „Trip“ eine Psychose hast, herzlichen Glückwunsch! Du hast etwas ganz tief verdrängtes gefunden. Es lohnt sich, daran bzw. damit zu arbeiten (wenn du wieder nüchtern bist bzw. dich beruhigt hast, was du hoffentlich schaffst, weil hoffentlich gute Freunde anwesend sind, da es ja aufgrund der Illegalität nicht möglich ist, es in einem therapeutischen Setting zu tun).

Es gibt nämlich keinen „Horrortrip“, es gibt nur etwas IN DIR das du nicht wusstest (und das sich in Bildern zeigt, wie bei Träumen, so arbeitet das Unterbewusstsein nunmal). NICHTS was IN DIR ist, kann „böse“ sein, vergiss das niemals. Alles Schlimme kann angesehen und verarbeitet werden. Wenn du heulen und schluchzen musst, wenn dir die Bilder unästhetisch vorkommen, egal. Es ist in dir drin, also kannst du es auch fühlen, dir wird nichts geschehen. Angst ist etwas Gutes und weist dich auf etwas hin. Dein Gehirn will dein Überleben sichern und alle „Horrorbilder“ waren urspürunglich nur dafür gedacht.

Anstatt dann Valium zu nehmen, sollten lieber ein oder zwei Therapeuten mit dir arbeiten (es gibt auch schwächere Beruhigungsmittel, falls du wirklich eins brauchst). Ich wünsche mir, dass das irgendwann (bald) so sein wird.

Es ist in Sachen Forschung und Öffentlichkeitsarbeit einiges in Bewegung – Stichwort Microdosing.

Ich gebe dem ganzen Thema maximal noch fünf Jahre und dann dürfen wir vielleicht endlich wirklich ALLES mit unserem Körper machen, was wir wollen.

Dann gehört unser Körper wirklich uns.

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