Jenseits von Gut und Böse

Ich hab mich immer geweigert, mir Schach beibringen zu lassen. Ja, das ist richtig, ich kann kein Schach spielen, kenne die Regeln nicht und weiß nicht, wie es geht. Mein Vater hat mich Zeit seines Lebens immer wieder gefragt und ich habe immer nein gesagt. Ich wollte es einfach nicht.

Seit ungefähr einem halben Jahr bete ich dafür, dass ich es schaffe, Gut und Böse zu transzendieren. Es klappt immer besser und ich hatte schon mehrere, teils extrem anstrengende AHA-Erlebnisse.

Was in einer Situation gut ist, kann in der anderen schon schlecht (böse) sein. „Es kommt immer drauf an“ und so weiter. Das weiß man ja, das ist ein Allgemeinplatz. Aber habt ihr es schonmal auf euch selbst, euer Leben und eure Psyche bezogen?

Ich habe mich ja vor einiger Zeit – wie so viele Menschen vor mir, denen ich nie geglaubt habe – dazu entschlossen, Jesus um Hilfe zu bitten, denn ich war praktisch auf dem Gipfel der Verzweiflung angelangt und hatte schon alles mögliche aus unterschiedlichen Bereichen (Magie schwarz und weiß [wie bezeichnend!], Schamanismus und solche Geschichten) versucht. Doch nichts hatte geholfen. Was hatte ich schon zu verlieren?

Also hab ich mich an Jesus persönlich gewandt. Und es hat tatsächlich geklappt.

Unglaubliche Wunder sind geschehen und es haben sich mir Dinge erschlossen, die ich nicht mal für möglich gehalten hätte.

Dann ging es damit weiter, dass ich Fred Pruitt’s Blog Voice in the Wilderness gefunden habe.

Was mich an ihm sofort fasziniert hat, war die Tatsache, dass er seinen Glauben Anfang der 1980er Jahre bei einem LSD-Trip gefunden hat.

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass ich seit Juli 2005 wieder an Gott glaube, weil ich zu diesem Zeitpunkt (im Sommer auf einer Wiese) eine gewisse Art von Pilzen zu mir genommen habe und danach kein Atheist mehr war. Ich glaube praktisch wegen diesem einen Erlebnis überhaupt an einen mir persönlich zugänglichen, alles umfassenden Gott.

Deshalb war Fred mir natürlich sofort sympathisch und ich habe auch wirklich alles gelesen. Zum Thema „Transzendente, lebensverändernde Erfahrungen mit Psychedelika“ werde ich künftig noch mehr schreiben, denn ich habe das Gefühl, im deutschsprachigen Raum tut sich das Thema noch etwas schwer.

Doch zurück zu Gut und Böse. Natürlich gibt es tausende Epen, Metaphern, Legenden, mystische Texte und was weiß ich, aber die Bibel ist schon praktisch.

Meine Frage  lautete:

Wenn doch der „Fall“ von Adam und Eva darauf beruhte, dass sie eine Frucht vom Baum von Gut und Böse gegessen haben = dass sie sich selber eingebildet haben zu wissen, was denn jetzt gut und was böse ist, müsste dann nicht die Lösung des Problems darin bestehen, einfach nicht mehr zu behaupten zu wissen, was denn jetzt gut und was böse ist?

Also hab ich mein Gehirn mal um diesen Gedanken gewickelt (es tut mir leid, ich denke sehr viel Englisch, daher schreibe ich das nochmal so, wie ich es gemeint habe) So I decided to wrap my mind around this.

Das war unheimlich – unheimlich anstrengend, psychisch herausfordernd, es flossen Tränen, es wurde verzweifelt… Letztlich ist es darauf hinaus gelaufen, dass mir unter Anderem klar wurde:

I used to be such a judgemental bitch!

Ich hatte viel zu viele Vorurteile über andere Menschen, die Welt, „das System“ und überhaupt alles. Was natürlich mainstream ist und man kann es mir nicht verdenken, denn so werden wir schließlich erzogen, immer schön ein Schema für alles haben und was nicht passt und nicht passend gemacht werden kann, wird dismissed. Darum bin ich da jetzt auch nicht mehr böse auf mich (böse!) oder bereue es, so gewesen zu sein.

So war es halt nunmal. Aber jetzt ist es ok, weil es nicht mehr so ist.

Glaubt nicht, dass dieser Prozess nicht schmerzhaft war. Ich habe eine Life Review gemacht, Stück für Stück über Wochen und Monate, und jedesmal verschiedene Situationen aus anderen Blickwinkeln erlebt. Dabei ist mir so einiges klar geworden.

Ich kann jetzt so vieles verstehen, aber das heißt nicht, dass ich es gutheiße (gut!) oder angenehm finden muss. Ich muss gar nichts. Da ich mich kenne und weiß, was mir gut (gut!) tut und was nicht, verzichte ich liebend gerne auf viele Dinge. Und andere Dinge, die ich mag und für die ich eine Präferenz habe, nutze ich dann auch. Andere Menschen können dann ihren eigenen Präferenzen folgen und es ist mir egal.

Egal heißt übrigens „gleich“.

Es ist mir völlig gleich. Ich muss mich ja nicht involvieren.

Nachdem mir dies alles klar wurde, musste ich auch nichts mehr beweisen. Ich bin übrigens kein Vegetarier mehr.

Und so gingen mir nicht nur Lichter über mich selbst auf, sondern auch über „das System“ und „die Gesellschaft“.

Jetzt möchte ich mal ein Gedankenexperiment machen: könnt ihr euch innerlich bei den Typen, die den 11. September geplant und ausgeführt haben, bedanken? Dabei ist es völlig gleich, wer diese Typen sind und wer sie bezahlt hat und welche Gründe sie für ihr Vorgehen hatten. Fakt ist einfach, sie hätten die ganze Innenstadt zerlegen können, aber sie haben sich auf ihr Ziel beschränkt. Natürlich gab es Kollateralschäden, das konnte nicht vermieden werden. Aber ich habe einfach mal versucht, mich bei ihnen zu bedanken.
Dafür, dass sie richtig akkurat waren. Dass wirklich nur die von ihnen geplanten Gebäude kaputt gegangen sind, und nicht die ganze Innenstadt. Dass alles (scheinbar?!) nach Plan abgelaufen ist und jeder Beteiligte (es müssen dutzende, wenn nicht hunderte gewesen sein!) sein Bestes gegeben hat? Die haben ein erfolgreiches Projekt abgeschlossen und das World Trade Center gesprengt – wer auch immer es ihnen aufgetragen hatte.

Der Grund ist egal und das Motiv ebenfalls. Neutral betrachtet war es ein Erfolg!

Worauf es ankommt ist, dass hier ein Prozess in Gang gesetzt wurde, wo unter Anderem heute noch die Menschen mit Büchern und Dokumentationen und Webseiten und Verschwörungstheorien Unmengen an Geld scheffeln. Wo immer noch jeden Tag jemand auf einen solcher Links klickt und durch diese „11. September Geschichte“ auf andere Missstände in der Welt, der Politik und im Kapitalismus hingewiesen wird. Dieses Thema hat eine Lawine in Gang gebracht… Nichts anderes hat das geschafft.

Das muss man sagen können dürfen.
Das muss man anerkennen können.

Kleiner Einschub: Fun Fact zum Thema Verschwörungstheorien…


Ich fand die Matrix-Pillen-Metapher schon immer scheiße!

Da hat man ja auch nur zwei Auswahlmöglichkeiten! Denkt mal darüber nach!

Findest du mich jetzt böse, wenn ich sowas wie das mit dem 11. September schreibe?

Ich mich nicht. Ich habe einfach nur gelernt – schmerzhaft, unter Tränen und Depressionen – die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.

Mit „The Single Eye“.

Man sieht ja auch nur ein Bild, wenn man schaut, und nicht doppelt (außer man hat zuviel getrunken oder eventuell eine andere Droge genommen, die solche Wahrnehmungsstörungen verursacht).

Das Gehirn errechnet aus den Wahrnehmungen des linken und des rechten Auges ein einziges Bild und so können wir uns in der Welt bewegen. Biologisch gesprochen sind wir also schonmal auf dem richtigen Dampfer.

Aber mental halt nicht. Da sehen wir immer mit zwei Augen, einem guten und einem bösen. Dabei haben wir doch ein drittes Auge.

Und wenn wir mal unser gutes und unser böses Auge schließen und das dritte Auge öffnen, dann sehen wir mit einem einzigen Auge. Das Dritte öffnen wir, indem wir uns selbst anschauen (innen).

Das ist ganz schön herausfordernd, wird aber immer leichter und lässt sich auf jedes beliebige Thema anwenden.

Bei Fred Pruitt findet ihr mehr zu diesem Konzept und zu „Christus in uns“, was in anderen Szenen als „Christusbewusstsein“ oder „Illumination“ oder wie auch immer bezeichnet wird. Lest mal rein, er leitet alles von der Bibel ab, steht wirklich alles drin – man muss es nur lesen können 😉

Natürlich führen auch andere Wege dort hin, meinem alten Ich hat jedoch diese Metapher den finalen Todesstoß versetzt und ich bin dann auch ganz Regel- und Schriftkonform zur Hölle gefahren, um wieder aufzuerstehen.

Alles ganz normal 😉

Jedenfalls weiß ich, dass ich extrem schwarz-weiß gedacht habe. Borderline haben sie gesagt. Aber ganz tief in mir drin war immer die, die sich geweigert hat, Schach zu spielen. Weil ich in Wirklichkeit gar nicht so bin.

In Wirklichkeit bin ich alle Farben.

Und das herauszufinden war das Anstrengendste, aber Beste was mir je passieren konnte!

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