Von Gutewichten und Heiligenscheinen

Einer meiner Lieblingsartikel von meinem alten Blog!

Martin und ich haben festgestellt, dass jeder Bösewicht seine eigene Melodie hat. Wie z. B. Darth Vader, ihr habt den Tune sofort im Ohr, hier nochmal der Link, damit alle wissen, was gemeint ist. Ich habe gesagt, ich will auch eine eigene Melodie. Aber ich bin ja kein Bösewicht.

Aber was dann?

Ein Gutewicht, vielleicht?

Ist dies nicht eine duale Welt, plus und minus, oben und unten, männlich und weiblich, dies und jenes? Muss es nicht zu jedem Materieteilchen ein Antimaterieteilchen geben?

Ist denn damit nicht die Existenz eines Gutewichts bewiesen? Quod erat demonstrandum?

Was genau ein Gutewicht ist bzw. welche Eigenschaften ihn ausmachen, das muss die Forschung noch klären. Viele Generationen von Wissenschaftlern stehen nun vor der Aufgabe, herauszufinden, wie genau sich ein Gutewicht definiert und wie man ihn von anderen Wichten unterscheidet. Ist er doch gerade eben erst (durch mich, wenn ich das mal so sagen darf) entdeckt worden.

Googlesuche „gutewicht“ am 15.1.2014 um 18:54 Uhr

Was haben wir denn da? Einen Youtuber, der gern Call of Duty zockt. Einen politisch interessierten Blogger, einen Typen der bei Wallstreet Online ein Profil hat (er hat genau EINEN Beitrag verfasst), einen Typen in einem Hardwareforum (schon wesentlich aktiver) sowie einen, der wohl gern Mountain Bike fährt.

Dies zeigt: es gibt alles, aber keine seriösen Forschungen zum Gutewichtsphänomen.

Es ist dies ein unbekanntes Gebiet, dessen sich die Wissenschaft dringend annehmen muss, damit – so behaupte ich – die Menschhehit den nächsten Evolutionsschritt vollziehen kann. Nichts ist momentan wichtiger, oder jedenfalls kaum etwas, als endlich herauszufinden, was es mit den Gutewichten auf sich hat.

Es muss standardisierte Tests geben, aus denen ersichtlich ist, ob und zu welchem Grade man ein Gutewicht ist. Natürlich wird es auch hier sofort ein paar profitgeile Deppen geben, die sich eine Gutewichtstherapie ausdenken und Geld damit verdienen werden, Menschen den Gutewicht auszutreiben, weil sie das Gutewichtsein wie eine Krankheit darstellen werden, die es zu bekämpfen gilt.

Aber eine kleine Minderheit, die Internetcommunity, total dezentral vernetzt, wird den Glauben an die grundsätzliche Neutralität bzw. Gutheit des Gutewichts bewahren und das Wissen um ihn an die nachfolgenden Generationen weitergeben.

Eines Tages wird dann der Gutewicht kein Randgebiet der Wissenschaft mehr sein, sondern fest etabliert, gelehrt an Universitäten, Gegenstand im intellektuellen Diskurs und wesentlich (hoffentlich weit) darüber hinaus. Ein Gutewicht wird nicht mehr tabuisiert, sondern seriös erforscht. Auch Kindern wird seine Existenz nicht verschwiegen, sondern neutral und kindgerecht erklärt.

Dann, erst dann kann man sich Gedanken über eine Gutewichtsmelodie machen.

Desweiteren: ich würde gerne endlich meinen Heiligenschein machen.

Fahrschulen bieten das leider nicht an, auch das Hauptquartier der U.S.-amerikanischen Streitkräfte auf sog. deutschem Boden konnte mir keine Auskunft geben. Ein Pfarrer konnte mir natürlich erst recht nicht helfen und auch in Stille und Meditation kam mir nicht in den Sinn, wo man denn nun den Heiligenschein machen kann, und vor allem: wie. Befähigt er einen doch letztlich zum Heiligen, und das will gelernt sein. Einfach so drauflosheiligen, da weiß man ja gar nicht, was man tut. Irgendwie muss man den Schein doch machen können, doch Google findet nichts brauchbares.

Literatur ist auch keine Vorhanden. Das ist wahrscheinlich wieder eine dieser Verschwörungen der katholischen Kirche (der Pfarrer wusste was!), die ihr Heiligenscheinmonopol behalten will. Vielleicht waren die ganzen Bücherverbrennungen nur dazu da, um alle Literatur über das Heiligen im Allgemeinen und den Heiligenschein bzw. was nötig ist, um ihn zu haben (denn laut Legende wurde am Procedere zur Erlangung desselben seit ca. 7625 Jahren nichts mehr verändert, plus/minus dreieindrittel Monate), aus der Welt zu schaffen.

Vielleicht aber auch nicht. Viellecht ist es beim Heiligenschein genauso wie beim Gutewicht: es wurde einfach bisher noch viel zu wenig geforscht. Der Heiligenschein und die Praxis des Heiligens spielen sich auf einer Ebene ab, zu der konventionell orientierte Wissenschaftler momentan noch keinen Zugang haben. Die alten Denkmuster stecken einfach noch zu tief drin. Na gut, sie hängen keinen mehr auf oder verbrennen ihn in der Öffentlichkeit, aber sie lassen auch keine Diskussion zu. Sie ignorieren alles, was außerhalb ihrer Seifenblase, wenn ich das so sagen kann, liegt.

Die Wissenschaft ist zu sehr gespalten und alle wollen recht haben, ohne recht zu sein. Sie arbeiten nicht zusammen, dabei müssten gerade in Sachen Heiligenschein hier die Biologie, die Sozialpsychologie, die Human- und Veterinärmedizin (es gibt Tiere mit Heiligenscheinen, auch ein völlig unerforschtes Phänomen!) sowie die europäische Kultur- und Ideengeschichte viel mehr Hand in Hand gehen mit der Ethnobotanik, der Orgasmusforschung und natürlich dem modernen Heidentum in all seinen mannigfaltigen Ausprägungen. Religion und Wissenschaft(en) müssen nicht nur eine Brücke bauen, sie müssen (verdammt nochmal!) endlich hinüberschreiten und sich der gemeinsamen Aufgabe des Herausfindens, was es mit dem Heiligenschein auf sich hat, voll und ganz widmen.

Oder wird das etwa nicht gewollt? Jedoch – wüssten wir es dann nicht längst? Gäbe es nicht einen Schwarzmarkt für Heiligenscheine, würde nicht in dunklen Ecken am Bahnhof oder in den abgefuckten Toiletten der dreckigen Technoclubs der Vorstadt mit gefälschten, in Photoshop zu Hause selbst erstellten Heiligenscheinen gedealt? Würde nicht in der Bild-Zeitung über Menschen mit (oder ohne, je nach dem, welche Theorie Mode wäre, schädlich oder schick) Heiligenschein in derbster Weise hergezogen? Ich glaube nicht, dass man es hätte so lange vertuschen können.

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach.

Manche leute hatten nunmal einen Heiligenschein, und manche Leute konnten ihn nunmal sehen und waren zudem noch begabte Künstler, die uns dann das Bild des Heiligenscheins hinterlassen haben. Vielleicht war da gar kein Scheinmachen involviert.

Vielleicht musste man nicht erst einen Heiligenscheinvorbereitungskurs besuchen, unmengen an Büchern wälzen und an lächerlichen Ritualen von Glaubensgemeinschaften teilnehmen, die von sich behauptet haben, eine Heiligenscheinvorbereitungsakademie zu sein.

Wie wir es auch drehen und wenden, ob wir glauben, alle Information zum Erwerb des Heiligenscheins sei absichtlich vernichtet worden, oder ob wir glauben, der Heiligenschein sei etwas, das man automatisch bekommen kann (und damit auch die Fähigkeit zum Heiligen, der Schein ist ja nur ein Ausweis, der weist es nur aus): es muss dringend in dieser Hinsicht noch geforscht werden. Dringend.

Der Schein muss dringend gewahrt werden! Einfach so Heiligen, das geht nicht. Nicht ohne Schein. Oder?

„Was machen Sie denn da?“

„Ich heilige!“

„Was? Müsste ich da denn nicht einen Heiligenschein bei Ihnen sehen?!“

„Aber nein, das braucht man nicht. Ich beherrsche das Heiligen, das sehen Sie doch!“

„Wie bitte?! Hände hoch, ich verhafte Sie hiermit wegen Heiligens ohne Schein!“

Aber jetzt mal ehrlich!

Wollen wir in so einer Welt leben?!

Ich denke nicht. Ich nicht.

Also, ich habe meine Meinung geändert.

Sollte ich lernen, wie ich heiligen kann, werde ich das ohne Schein tun. Ganz einfach. Sollte ich irgendwann mal einen Heiligenschein haben, dann wird das nur ein zufälliges Nebenprodukt vom Heiligen sein.

Ursprünglich erschienen auf blog.creandra.de am 15.01.2014

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