Rezension: Gniri-Noromadi von Alina Tamasan

Diese Rezension ist von meinem alten Blog und stammt aus dem Jahr 2014.

Das zweite Buch der Jungautorin Alina Tamasan ist seit einiger Zeit draußen und ich habe es natürlich sofort gelesen, heute kommt nun endlich meine Rezension dazu! Meine Sammlung vom Autor signierter und/oder mit einer kleinen Botschaft versehener Bücher wächst – vielen Dank liebe Alina noch einmal auch hier! Der Roman „Gniri-Noromadi“ hat zwei Teile: „Eine verborgene Welt“ und „Rückkehr zum Ursprung“ (Engelsdorfer Verlag).

Wir befinden uns irgendwo in Deutschland. Noromadi, 20 Jahre alt und hellsichtig, lebt mit ihren Eltern am Waldrand. Ihren ungewöhnlichen Namen hat ihre Mutter in einem antiken Buch gefunden und fand ihn intuitiv sehr schön. Noromadia war von Kindheit an hellsichtig, musste aber aufgrund ihres rationalen Vaters und der sich beugenden Mutter davon ablassen und sich einreden, sie bilde sich das alles nur ein, bis sie es irgendwann vergessen hatte. Sie hatte sich schon immer anders gefühlt und irgendwie fehl am Platze – der Leser erfährt, dass sie in ihrer vorherigen Inkarnation ein Naturwesen gewesen sein muss. Vor undenklichen Zeiten hat es einen Weltenbruch gegeben und seither können Menschen die Naturwesen nicht mehr sehen. Diesen Weltenbruch aufzuheben bzw. die Welten wieder zu verbinden, das ist Noromadis Aufgabe.

Was sind eigentlich Naturwesen?

Dazu müsste ich ziemlich ausholen, was ich aber nicht tun möchte. Einigen wir uns darauf, dass es abgesehen von Menschen und Tieren sowie rein geistigen Wesenheiten („Engel“) auch noch eine dritte Spezies/Art gibt, so etwas wie ein „fehlendes Bindeglied“, ein Mischwesen aus Mensch und Tier, für uns nicht sichtbar, dennoch in die stoffliche Natur eingebunden und auf ihrer Ebene auch durchaus auf alles angewiesen, was ein biologischer Körper braucht. Dafür extrem angepasst an ihre Umwelt, beispielsweise durch dickes Fell, das im Winter noch dicker wird (zumindest bei einigen Spezies/Rassen – ja, es gibt mehrere), Krallen zum Klettern, spitzen Reißzähnen, großen Augen zum Sehen in der Dunkelheit, die Frauen der Gniri, so heißt die Rasse, haben drei Brüste, man könnte an Zitzen denken, sie sind für viele Nachkommen ausgelegt, usw. – also auf den ersten Blick alles sehr tierisch. Allerdings haben diese Leute – ja, das sind Leute – eine komplexe Sprache, eine komplizierte Kultur, Kunst, Rituale (alles eingebettet in den Jahreslauf, sie leben 100% natürlich, nicht wie wir – außer in den Städten, doch dazu später) und auch ihre Charakterstärken- und Schwächen sind nicht von den menschlichen zu unterscheiden. Ihr Sexualleben ist ganz besonders interessant 😉

Zurück zur Hauptperson Noromadi: Ihre Hellsichtigkeit wird als Geisteskrankheit missdeutet und sie landet in der Psychiatrie. Hier haben wir das erste Gesellschaftskritische Thema: die Psychiatrie und wie sie die Menschen kaputt macht. Glücklicherweise wird Noromadi entlassen und lernt langsam, ihre Gabe anzunehmen. Sie lernt die Naturwesen persönlich kennen und es entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Allerdings gibt es viele Hindernisse, denn nicht nur aus Menschensicht „gehört“ sich so eine Verbindung eigentlich nicht, auch die Naturwesen sind skeptisch. Sie haben allerhand Probleme in ihrem Wald und leiden an einer heimtückischen Krankheit, für die es keine Heilung zu geben scheint – bis Noromadi auftaucht und praktisch durch Zufall den Kontakt mit ihrem Schutzengel herstellt, der von den Naturwesen als Ur-Ahne interpretiert wird. Die Ur-Ahnen können Energien beeinflussen und auch Krankheiten heilen. Noromadi verdient sich den Respekt des Völkchens, aber die Problematik, dass ihr Geliebter Iefìs und sie rein biologisch gesehen sozusagen nicht kompatibel sind, bleibt bestehen. Iefìs ist noch dazu quasi ein „Ausländer“, er ist kein Gniri, sondern gehört einer anderen Naturwesen-Rasse/Familie/Spezies an, den Dhardàts (ich hoffe, ich habe das jetzt richtig geschrieben). Eigentlich wünschen sich beide ein Kind, doch wie soll das gehen?! Nicht nur die gesellschaftlichen Hindernisse stehen den beiden im Weg…

Ich merke gerade, dass ich total in eine Nacherzählung abschweife und deshalb versuche ich, mich ab jetzt kurz zu fassen! Mehrere Absätze habe ich jetzt wieder gelöscht, weil es einfach zuviel für eine Rezension war. Ich versuche also, auf den Punkt zu kommen:

Wir haben zwei Haupt-Handlungsstränge, die am Ende wieder verbunden werden. Alina Tamasan nimmt uns mit auf eine spannende Reise mit vielen neuen Erkenntnissen – und solchen, die uns eigentlich eh schon klar waren, die wir als Menschen aber gerne verdrängen. Auch die Kritik am New Age Kitsch kommt nicht zu kurz. Am meisten lernen wir jedoch über die Naturwesen: wie sie leben, wie sie ticken, was sie bewegt, eingebettet in eine mitreißende Story mit liebenswerten, glaubwürdigen Charakteren.

Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen, es ist mein einziger Kritikpunkt: mir hat es zu aprubt aufgehört! Gerade nach allem, was Noromadi und Iefìs erleben, da hätte ich mir irgendwie gewünscht, noch mehr zu erfahren! Aber ich gehe schwer davon aus, dass Alina bald eine Fortsetzung herausbringt, ich weiß sie schreibt gerade an einem neuen Roman – hoffentlich erfahren wir, wie es weitergeht mit Noromadi und den Naturwesen!

FAZIT

Eine lesenswerte Geschichte, die zum Nachdenken anregt und viele Themen aufgreift, die auch in „unserer“ Welt zur Zeit wichtig sind. Außerdem wird mit vielen Vorurteilen aufgeräumt und auch die Kritik an der kitischig-plüschig-rosa-zuckersüßen Sichtweise auf die (unserer Meinung nach) den Wald bewohnenden Wesen wird auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Alina nimmt uns mit in eine verborgene Welt – absolut lesenswert!

Ursprünglich veröffentlicht auf blog.creandra.de am 11.12.2014

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