Ein paar Gedanken zum Thema Selbstliebe und Beziehungen

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2014.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – schwer, wenn man sich ständig mit Schuldgefühlen quält, sich unzulänglich fühlt, ein schwaches Selbstwertgefühl hat und schlecht mit seinen eigenen Emotionen umgehen kann. Eigentlich kein guter Rat für eine „unreife Person“. Die meisten verwechseln Selbstliebe mit Egoismus und Gier, sie haben Angst, es gibt nicht genug, Angst vor Mangel, auch einem Mangel an Liebe (insgesamt). Wer also total auf dem Ego- oder Selbsthass-Trip ist und den Ratschlag wörtlich nimmt, ist auf dem Holzweg.

Artikel über Selbstliebe sind schon viele geschrieben worden. Ich glaube, ich muss da nicht noch einmal so weit ausholen.

Artikel darüber, wie Singles endlich die große Liebe, oder ihre „Zwillingsflamme“ oder ihren „Seelenpartner“ finden, gibt es ebenfalls wie Sand am Meer. Darum geht es heute also nicht (wirklich).

Ich möchte heute mal wieder aus dem Nähkästchen plaudern:

Sieben Jahre war ich mit meinem Mann verlobt und erst diesen Sommer haben wir uns entschieden, zu heiraten. Sieben Jahre, in denen ich mich als Mensch komplett geändert habe – nein, eher, mich entwickelt und alles, was nicht zu mir gehört hat, hinter mir gelassen habe.

Einem frustrierten Single oder gar einem Frustrierten, der in einer Beziehung steckt, kann man dieses Glück, wie Martin und ich es haben, gar nicht beschreiben, denn er sieht den Spiegel, der ihm in einer Liebesbeziehung vorgehalten wird, als etwas Negatives an.

Er hält die Ehe, den Plan, ein gemeinsames Leben und eine Familie zu beginnen, für einen Rückschritt, gar einen Fehler. Es ist ihm zu hart, zu anspruchsvoll (psychologisch), er kann sich so etwas nicht vorstellen: dass der Partner, sei es im Streit oder durch ganz andere, subtilere Dinge, die „einem nicht passen“, einem hilft, mehr zu sich selbst zu kommen. Ein solcher Mensch sieht es eher als Gegenteil an, daher hat er Angst, sich zu binden. Wo sowas herkommen kann, das lassen wir mal unbeantwortet. Es ist im Grunde die Angst vor sich selbst und nicht dem Partner oder der Partnerschaft per se.

Wenn man jedoch davon ausgeht, dass alles, was einem etwas über einen selbst verrät, wichtig und gut für die eigene geistige und seelische Entwicklung (und auch für die körperliche, wenn wir über Sex reden wollen, was wir momentan nicht tun) ist und daher nicht vermieden, sondern mit offenen Armen empfangen werden sollte, dann hat man keine Angst mehr vor einer tiefen Bindung, dann will man von sich aus eine tiefe Bindung.

In einer Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen kann man in erster Linie nämlich etwas über sich selbst lernen. Und das ist auch so gedacht von der Natur.

Immer wieder lese sehe ich diese Anzeigen für Websites oder Videos bei Youtube „Wie kann man einen Mann an sich binden“ – „Wie kann man eine Frau in sich verliebt machen“ usw. und irgendwie macht es mich traurig.

Alle, die sowas anklicken, sollten evtl. lieber erstmal einen Selbsthilfekurs oder eine Therapie besuchen, und sich MIT SICH SELBST beschäftigen. Die Frage lautet nicht, wie ihr jemanden in euch verliebt machen oder druch irgendwelche Spielchen an euch binden könnt, die Frage lautet: wie könnt ihr euch in euch selbst verliebt machen? Wie könnt ihr – ohne euch selbst zu belügen – zu euch selbst stehen und euch anerkennen? Wie könnt ihr mit euch selbst glücklich sein? Wie baut ihr eine gesunde Beziehung zu euch selbst auf?

Kein Mann, keine Frau wird euch wirklich lieben und ihr werdet auch nicht sowas bekommen wie Martin und ich, wenn ihr euch selbst belügt, wenn ihr euch selbst „mind controlled“ und schon gar nicht, wenn ihr euer persönliches Glück davon abhängig macht, ob ihr überhaupt einen Partner habt. Einerseits sehnt ihr euch nach Liebe und Verschmelzung, andererseits habt ihr Angst, euch dabei selbst zu verlieren und selbst aufzugeben.

Aber ich sag euch jetzt mal was: ihr könnt euch in einer ehrlichen, aufrichtigen Beziehung nicht selbst verlieren, nur finden!

Alle Beziehungen, die in einer Selbstaufgabe enden, sind ein Zeichen dafür, dass beide Partner

a) nicht dieselbe Reife hatten (das ist keine Wertung, ein Apfel der noch am Baum hängt ist nicht schlechter als einer, der schon auf die Wiese gefallen ist, auch eine Apfelblüte ist nicht schlechter als ein vergammelter Apfel, es sind nur unterschiedliche Zustände!) und

b) mindestens einer (eher beide) ein Selbstwert-Problem hat.

Und ich will noch was sagen, das findet ihr – falls ihr so gerne lest wie ich – in den Büchern von Walter Russell und seiner Frau Lao:

Liebe ist kein Geben und Nehmen! Die Liebe nimmt nicht! Liebe ist Geben und Zurückgeben!

Sobald man sich Gedanken macht über den Austausch, sobald er nicht mehr natürlich fließt, ist es aus mit der Gerechtigkeit. Siehe unser Geldsystem. Völlig für’n Arsch. Es wird gehortet, Flüsse werden umgelenkt und ganz unterbrochen, es wird künstlicher Mangel erzeugt und Menschen werden damit erpresst.

Wie manche Leute es sich gegenseitig in ihrer Partnerschaft antun.

Wir schimpfen über die bösen Banken und mafiösen Banker, aber in unseren eigenen Beziehungen gehen wir mit der Liebe so um, wie sie mit dem Geld! Wir halten etwas zurück, wir geben es nur unter Bedingungen weiter, wir lenken es dorthin, wo es von sich aus nicht hingeflossen wäre und wir schneiden es dort ab, wo es gebraucht wird.

Daher wird sich auch an der Weltsituation nichts ändern, wenn sich nicht IN DEN MENSCHEN, in unserer inneren Einstellung was ändert.

Es ist so simpel, so weise, so missverstanden und so wahr: die Antwort – auf alles – liegt immer innen. Immer.

Zustände in der Außenwelt kommen zustande, weil Menschen innerlich gewisse Haltungen haben, ihre Lebensphilosophie, ihre Werte und Einstellungen.

„Die Regierung abschaffen“ bringt nichts (daher bin ich gegen Demos, Revolutionen usw.), denn wenn die Menschen sich danach immer noch regieren lassen wollen, dann haben wir bald wieder dasselbe wie immer, nur in anderer Form. Ist ja gegenwärtig der Fall und das seit tausenden von Jahren, nur die Technik hat sich halt verbessert, und die Hygiene.

Wenn wir von einem anderen beherrscht werden wollen, dann wird er uns beherrschen. Wenn wir einen anderen beherrschen wollen, dann werden wir die Konsequenzen zu tragen haben.

In einer guten, wahrhaftigen und aufrichtigen Beziehung geht es nicht um die Herrschaft über jemanden, oder gar um Macht. Wenn, geht es um die Macht über sich selbst. Oder eher die Macht, etwas mit sich und seinem Leben (und seinem Partner) anzufangen. Und wenn ich selbst-ermächtigt bin und mich nicht machtlos fühle, dann kann ich keinen anderen mehr beherrschen und ihm meine Macht aufzwingen.

Meine Tipps für eine wahrhaftige, befriedigende Beziehung:

  • Seht eure Partnerschaft niemals als Geben und Nehmen, immer als Geben und Zurückgeben. Es ist (um bei Walter Russell zu bleiben) ein rhythmisch ausgewogener Austausch. Natürlich gibt es mal Ungleichgewicht, aber eure gemeinsame Aufgabe ist, dies herzustellen. Durch Nehmen verschlimmert ihr das Ungleichgewicht nur, durch Zurückgeben bewegt sich die Wippe mehr in Richtung Angelpunkt – und dort ist Stille und Bewegungslosigkeit (also auch kein Streit, kein Sich-verletzt-fühlen)
  • Seht eure Partnerschaft nicht als Kampf, bei dem man verlieren kann, und auch nicht als Spiel, sondern eher wie ein gemeinsames Hobby, in dem ihr euch immer mehr verbessert, (z.B. wie beim Malen, Zeichnen oder einer Individual-/Fitness-Sportart…). Es geht niemals um’s Siegen, es geht um die gemeinsame Weiterentwicklung.
  • Seid unbedingt und in allen Punkten ehrlich zueinander. Das heißt nicht, dass ihr euch jeden Kleinkram erzählen müsst. Jeder Mensch braucht einen Rückzugsort in seinem Inneren, wo er ein paar Geheimnisse über sich oder seine Kindheit o. ä. hütet. Aber es heißt, dass ihr euch Dinge, die den anderen oder eure Partnerschaft betreffen, unbedingt sagen müsst. Sonst habt ihr keine Chance. Jede kleine Lüge wird zu einer größeren werden. Alles, was ihr verschweigt, wird in anderer Form heftiger wieder auftauchen. Seid euch bewusst, dass man Dinge aus der Welt schafft, nicht in dem man sie ignoriert, sondern indem man sich bewusst mit ihnen beschäftigt. Leugnen hilft nicht.
  • Seid unbedingt und in allen Punkten ehrlich zu euch selbst. Dem ist nichts hinzuzufügen.
  • Kommuniziert über eure Gefühle und Gedanken. Haltet nichts zurück. Gebt dem anderen die Chance, sich in euch zu erkennen. Wenn euch etwas schmerzt, sagt es. Wenn euch etwas freut, sagt es. Liebe ist alles, Kommunikation ist fast alles andere (das klingt paradox, aber jede große Wahrheit ist paradox).
  • Beschäftigt euch mit euch selbst, eurem inneren Wachstum. Oder mit Spiritualität, mit der Natur – irgend etwas, das euch euch selbst näher bringt. Gönnt euch etwas Gutes, sucht euch Interessen, die euch Freude machen und die primär nichts mit eurer Partnerschaft bzw. dem Partner zu tun haben (wenn ihr zufällig sehr gleiche habt, ist es natürlich super und ihr solltet das nicht aufgeben, das meine ich nicht – geht ruhig zusammen joggen, aber lest auch mal jeder für sich ein unterschiedliches Buch – ihr könnt es danach diskutieren 😉 ). Auch wenn ihr auf engem Raum zusammenlebt, ist das möglich. Hier ist wieder „es liegt im Inneren“ die Devise.
  • Spielt niemals Psycho- oder Machtspielchen. Niemals. Es wird eure Beziehung zerstören. Ihr werdet das Gegenteil von dem erreichen, was ihr wollt (lieben und geliebt werden).

Ich denke, das sollte vorerst reichen. Es ist nicht schädlich oder schlecht, sich mit sich selbst zu befassen.Es hilft euch (daher ist es von den Religionen und der Erziehung aus auch nicht gern gesehen, da alles, was euch näher zu euch selbst bringt, euch weniger manipulier- und steuerbar macht).

Wenn ihr euch nicht selbst treu seid, wie könnt ihr erwarten, dass es ein anderer ist?

Heirate dich selbst! Dann kannst du einen anderen heiraten!

Ursprünglich veröffentlicht auf blog.creandra.de am 1. August 2014.

 

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